Mein Pflegehund stank zum Himmel.
Ich wusste nicht, welche Rassen wohl in ihm stecken mochten.
Seine Augen waren hell und hart. Er wollte sich von mir
nicht anfassen lassen und knurrte, wenn ich die Arme nach
ihm ausstreckte. Seine Haut war übersät von vielen
alten Narben und und neueren, verkrusteten Wunden. Seine
Krallen waren lang und seine Zähne überzogen von
Zahnstein. Er zeigte sie mir, sobald er mich sah. Für
diese Erfahrung fuhr ich zwei Stunden lang.
Ich musste sehr vorsichtig vorgehen, um ihn in die Transportkisten
zu bekommen. Dann verschloss ich sie und lud sie ins Auto.
Ich fuhr nach Hause mit meinem neuen Pflegehund. Dort angekommen
liess ich ihn in der Kiste bis die anderen Hunde alle im
Hof waren. Dann liess ich ihn heraus und fragte ihn, ob
er hinaus wolle. Als ich ihn zu der Tür führte,
die nach draussen ging, stemmte er seine Beine gegen die
Wand und zeigte mir seine Zahnstein-Zähne. Er war ganz
schnell wieder in seiner Kiste verschwunden. Sie verhiess
ihm als einziger Ort Sicherheit.
Ich bot ihm Fressen an, doch er wollte nicht fressen, so
lange ich ihn ansah. Also verliess ich den Raum. Als ich
zurück kam, war das Fressen weg. Nun brachte ich ihn
wirklich kurz nach draussen. Als wir wieder hinein gingen,
strich ich ihm kurz über den Rücken. Er sprang
entsetzt zur Seite, zeigte mir seine Zahnstein-Zähne
und flüchtete in die Kiste.
Am nächsten Tag entschied ich, dass ich den Gestank
nicht mehr länger aushalten konnte. Ich führte
meinen Pflegehund ins Bad, in der Hand ein wenig Käse.
Seine Furcht vor mir war nicht so gross wie sein Verlangen
nach dem Käse. Aber er hätte mich fürchten
sollen, denn ich wollte ihm ein Bad verpassen. Nach einigen
Versuchen stand er schliesslich in der Wanne. Ich habe schon
mehr Jahre vierbeinige Wasserverweigerer gebadet als er
alt war. Und seine einzige Gegenwehr bestand darin, mir
seine Zahnstein-Zähne zu zeigen.
Als ich ihn wusch, war es, als würde ich nicht nur
den Schmutz und den Gestank weg waschen, sondern auch einiges
von seiner Härte. Seine Augen blickten jetzt traurig.
Er sah so erbarmungwürdig aus wie nur ein mit Seife
bedeckter Hund aussehen kann. Ich redete ihm zu, dass er
sich nach dem Bad viel besser fühlen würde. Nachdem
wir fertig waren, rubbelte ich ihn so richtig schön
ab.
Ich führte ihn nach draussen - und er rannte voller
Freude umher. Es war die Freude nicht mehr in der Wanne
stehen zu müssen und sauber zu sein. Und ich, der widerliche
"Bader" durfte seine Freude teilen. Er kam zu
mir und liess sich streicheln
Eine Woche später begann seine Haut zu heilen, und
ich ahnte, wie schön sein Fell sein würde, wenn
es wieder voll nachgewachsen war. Ich fand heraus, dass
er fürchterliche Angst vor anderen Hunden hatte. Also
versuchte ich, ihn mit meinen vier sanftmütigsten Hunden
zusammen zu bringen. Das lief zunächst gar nicht gut.
Zwei Wochen später war eine Infektion ausgeheilt, die
er sich eingefangen hatte. Er spielte mit meinen Hunden.
Drei Wochen später glänzte sein Fell, er hatte
an Gewicht zugelegt. Und er zeigte weisse Zähne, wenn
er mit lang heraus hängender Zunge hechelte, nachdem
er mit der ganzen Truppe wie wild getobt hatte.
Seine Augen blickten sanft und waren voller Leben. Er liebte
es, seine Tricks zu zeigen, wenn es dafür Käse
gab. Und dann riefen Menschen an, die ihn adoptieren wollten.
Sie hatten das Foto gesehen, das ich während der ersten
Woche von ihm gemacht hatte. Sie fragten nach seinem Wesen,
seiner Geschichte, seiner Rasse. Sie fragten, ob er lieb
sei. Ich stellte ihnen auch ganz viele Fragen. Ich checkte
die Familie. Ich betete. Ich sagte "ja".
Als sie ihn das erstem Mal sahen, sagten sie, er sei der
schönste und wundervollste Hund, den sie je gesehen
haben. Sechs Monate später sagten sie mir, er sei der
tollste, liebenswerteste und best erzogenste Hund